Nacht der Religionen 2017

Rund tausend Menschen setzten an der zehnten Nacht der Religionen am 11. November 2017 in Bern ein Zeichen für den Frieden. Menschen unterschiedlichster Kulturen und Religionen begegneten sich in gegenseitigem Respekt, führten ernsthafte Dialoge – und brachten ihr Engagement für Frieden mit Tänzen, spannenden Erzählungen und vielfältiger Musik zum Ausdruck.

'Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.' Mit diesem Zitat von Konfuzius eröffnet Alec von Graffenried im vollen Rathaussaal die zehnte Nacht der Religionen in Bern. Der Stadtpräsident merkt an, dass Frieden kein Zustand sei und auch nicht alleinig die Abwesenheit von Krieg bedeutet, sondern vielmehr ein erstrebenswerter Idealzustand einer Gesellschaft, in der die Rechte aller gewahrt und Minderheiten geschützt werden. Musikalisch untermalt vom Klangkünstler Pudi Lehmann spannt anschliessend der Luzerner Religionswissenschaftler und Slampoet Andreas Kessler den Bogen von Alltagsfloskeln wie ‚ä friedliche Abe’ bis ‚chumm, la mi in Friede’ hin zu weltpolitischen Entwicklungen. Friedensgrüsse der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in verschiedenen Sprachen entsenden das Publikum in die Vielfalt der Nacht.

Die Zehnte Nacht der Religionen in Bern stand denn auch unter dem grossen Motto «ZEIT FÜR FRIEDEN». Was Frieden konkret bedeuten kann, zeigte sich in der anschliessenden Podiumsdiskussion zwischen dem singhalesischen buddhistischen Mönch Bhante Anuruddha und dem tamilischen Hindupriester Sasikumar Tharmalingam - einer Begegnung, die gemäss Prof. Dr. Laurent Goetschel auch acht Jahre nach Ende des blutigen Bürgerkrieges in Sri Lanka kein Selbstverständnis ist. Dass die beiden in Sri Lanka ein Projekt ‚House of Religions – Dialogues of Cultures’ nach dem Vorbild des hiesigen Haus der Religionen – Dialog der Kulturen in Leben gerufen haben, ist das Resultat grossen Vertrauens und der Überzeugung, sich ungeachtet des persönlichen Schmerzes für eine friedliche Zukunft zu engagieren.

Die weiteren Veranstaltungen an zwölf Orten in ganz Bern zeigten allesamt kleine Hoffnungsschimmer für den Frieden: Da begegneten sich schiitische und sunnitische Imame und Gläubige mit grossem Respekt und betonten ihre gemeinsame Verantwortung für den Frieden. Hörbehinderte Menschen überwanden sprachliche und kulturelle Hürden und fanden die Verständigung mit äthiopisch-orthodoxen Christen mit Friedensbildern, Trommelmusik und Gebärdensprache.

Tänze und Gesänge aus alevitischer und christlicher Tradition liessen Verbindendes hör- und sichtbar werden. Buddhistinnen, Shiks und Christen fragten nach dem Umgang mit Gewalt und Frieden in ihren Religionen und boten Meditationen als einen Weg zum inneren Frieden an. In der Living Library im Zirkuswagen auf dem Waisenhausplatz erzählte ein «menschliches Buch» seine/ihre Lebensgeschichte und diskutierte mit Jugendlichen über Friedensarbeit.

Neben grosser Gastfreundschaft und festlichem Feiern hatte auch selbstkritische Reflexion ihren Platz: Hindus und Mitglieder des Jüdischen Glaubens fragten, warum es manchenorts «Krieg um den wahren Glauben» gibt und nicht vielmehr «Versöhnung durch eine neue Spiritualität». Theologiestudierende diskutierten mit Freidenkenden und Altruisten darüber, ob es mit oder ohne Religion mehr Frieden gebe.

Die zehnte Nacht der Religionen zeigte auf eindrückliche Weise, dass die grossen und kleineren Religionsgemeinschaften in Bern ihre Verpflichtung zum Frieden ernstnehmen und ihren Beitrag dazu zu leisten bereit sind.

Weitere Informationen zur Nacht der Religionen finden Sie unter www.nacht-der-religionen.ch